Anna und der schreckliche Hautausschlag

In einem meiner aktuellsten und für mich persönlich sehr bewegenden Fallbeispiele geht es um Anna (Name geändert), 21 Jahre alt und ihre täglichen Quälereien in Bezug auf Arbeit, Ausbildung, körperlichen Schmerzen und der Familie.
Als Anna das erste Mal zu mir in die Beratung kam sah sie nicht gut aus. Sie hatte die Abschlussprüfung ihrer Ausbildung bereits zum zweiten Mal nicht bestanden. Sie lebt noch zu Hause mit ihren Eltern und es ging ihr damit gar nicht gut. Ihr Arbeitsvertrag lief bald aus, sie stand sozusagen vor dem Nichts.
Als wir anfingen zu reden, kam sie recht schnell auch auf ihren extrem juckenden Hautausschlag zu sprechen. Dieser zog sich an einer Seite ihres Halses entlang (sehr sichtbar) und auch über den gesamten oberen Rücken. Sie sagte, wenn es unerträglich wird und sie anfängt zu kratzen, hört sie nicht auf bis sie blutet. Die Cortison Creme hilft nicht, davon geht ja auch der Auslöser nicht weg. Die Ärzte wussten nicht weiter und sie war verständlicher Weise am Ende mit den Nerven.
Beim nächsten Treffen fingen wir an zu klopfen. Vorher hatte ich noch jede Menge hilfreiche Information über ihr Leben und ihre derzeitige Situation und Gefühlswelt von ihr erfahren und hatte schon einen Verdacht. Also legten wir mutig los und wie von mir angekündigt wurde der Ausschlag erstmal schlimmer (typische Erstverschlechterung). Wir klopften aber tapfer weiter und ich wurde mit den begleitenden Sätzen immer kreativer. Bald stellte sich heraus, dass das recht instabile und psychisch belastende Verhalten der Mutter wohl der Hauptverursacher für den immer wiederkehrenden Ausschlag war. Ihre Mutter ist psychisch krank, übergriffig, unberechenbar und leider mit Hang zur Gewalt. Als wir die Mama sozusagen geklopft haben flossen viele Tränen und das Jucken hörte tatsächlich nach einiger Zeit auf. Als Hausaufgabe durfte Anna jedes Mal wenn der Ausschlag sich wieder meldete, das gleiche Thema- nämlich Mama- klopfen.
Das tat sie auch und mit der Zeit arbeiteten wir uns somit von Thema zu Thema. Anna klopft weiterhin fast täglich und ganz besonders intensiv bei großen belastenden Gefühlen oder körperlichen Beschwerden/Schmerzen.
Interessant war für uns beide zu beobachten, dass jedes Mal, wenn es großen Streit oder Stress mit Mama gibt, der Hautausschlag sich wieder meldete. Das wird vielleicht auch noch länger so bleiben, da die Mutter sich keine Hilfe holt und nicht an einer Verbesserung ihrer Lage interessiert ist. Außerdem muss Anna aus finanziellen Gründen noch zu Hause wohnen. Sobald sie aber ihren eigenen Weg gehen wird, und da sind wir uns beide sicher, wird sich dieser Hautausschlag nicht mehr sehr oft melden. Vielleicht irgendwann gar nicht mehr.
Doch das Wichtige hier ist folgendes: durch das Benennen des belastenden Gefühls, der Schmerzen (zunächst auf der körperlichen Ebene in diesem Fall, dann auf der psychischen) und das Anwenden der Klopfakupressur gelingt es Anna nun sich Erleichterung (und auch Heilung) zu verschaffen. Das wiederum gibt ihr Mut und Zuversicht, dass es ihr doch noch mal besser gehen wird und sie sich nicht für den Rest ihres Lebens mit so einem fürchterlichen Hautausschlag und seinen Folgen rumquälen muss! Das gilt für das Thema „Mama und ich“ und so viele andere, die wir im Laufe unserer gemeinsamen Zeit angegangen sind. Ach und sie schläft nachts wieder besser und ihre aufgekratzten Wunden sind mittlerweile verheilt.
Vielleicht sollte ich erwähnen, dass Anna in der Zwischenzeit ihre Abschlussprüfung bestanden hat und derzeit auf der Suche nach einer passenden Vollzeitstelle ist. Sie macht außerdem ihren Führerschein und hält Ausschau nach einer geeigneten WG-Freundin, um möglichst bald ausziehen zu können.
Super Job Anna! Bleib tapfer und immer schön weiterklopfen 🙂
More cases coming up soon

